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Kapitel 17 – Die drei Arten des Glaubens

Die Bhagavad Gita – (Shraddhātraya Vibhāga Yoga)
Was dich innerlich ausrichtet

1. Arjuna fragt: Was ist mit Menschen ohne klare Lehre?

Arjuna fragt Krishna: „Krishna, was ist mit Menschen, die nach ihrer eigenen Überzeugung handeln, ohne den Schriften zu folgen sind sie dennoch spirituell? Ist ihr Glaube echt oder fehlgeleitet?“

Eine wichtige Frage. Denn nicht jeder Mensch hat Zugang zu religiöser Lehre. Und nicht jeder folgt einer bestimmten Tradition.

Viele Menschen handeln aus dem, was sie innerlich für richtig halten.

Aus Gefühl.
Aus Erfahrung.
Aus Intuition.

Arjuna spürt: Es gibt Menschen, die aufrichtig suchen ohne je eine „Lehre“ studiert zu haben. Und gleichzeitig gibt es Menschen, die viel wissen aber wenig verstehen.

Krishna antwortet nicht mit Bewertung.
Sondern mit Tiefe.

Yogini bei der Pranayama Atmung

2. Arten von Glaube je nach innerer Natur

Krishna sagt: „Wie ein Mensch beschaffen ist, so ist auch sein Glaube.“ Arjuna hört aufmerksam zu. Krishna erklärt weiter:

„Glaube entsteht nicht zufällig.
Er wächst aus deiner inneren Natur.“

Und diese Natur ist geprägt von den drei Gunas:

  1. Sattva Reinheit, Licht
  2. Rajas Leidenschaft, Ego
  3. Tamas Dunkelheit, Trägheit

Das bedeutet: Glaube ist nicht nur eine Entscheidung. Er ist Ausdruck deines inneren Zustands. Zwei Menschen können an „das Gleiche“ glauben
und dennoch völlig unterschiedlich leben.

Nicht der Inhalt entscheidet.
Sondern die Qualität dahinter.

3. Sattviger Glaube klar und erhebend

Krishna sagt: „Wer in Sattva lebt, richtet seinen Glauben auf das Wahre, das Reine, das Aufbauende.“ Solche Menschen suchen nicht Macht. Sie suchen Wahrheit.

Sie verehren das Göttliche nicht aus Angst, sondern aus Liebe. Dieser Glaube ist ruhig. Er braucht keine Bestätigung. Er ist nicht abhängig von äußeren Formen. Er führt zu:

• Mitgefühl
• Klarheit
• Demut
• Verbindung mit dem Höchsten

Arjuna fragt: „Woran erkenne ich diesen Glauben im Alltag?“ Krishna antwortet:

„Er macht dich still.
Nicht schwach sondern klar.“

Ein sattviger Mensch wird nicht fanatisch. Er wird weit. Er muss niemanden überzeugen.
Weil er nicht unsicher ist.

Dieser Glaube trägt.
Auch in schwierigen Momenten.

4. Rajassiger Glaube getrieben von Ego

Krishna fährt fort: „Wer von Rajas geprägt ist, verehrt Macht, Prestige, Kontrolle, Anerkennung.“ Arjuna erkennt sofort:

„Das sieht oft auch spirituell aus.“ Krishna nickt.

„Ja. Aber die Motivation ist eine andere.“

Dieser Glaube will etwas erreichen. Etwas bekommen. Etwas darstellen. Die Praxis wird zum Mittel. Nicht zur Verbindung sondern zum Ziel. Dieser Glaube ist oft:

• laut
• fordernd
• auf Wirkung nach außen ausgerichtet

Er zeigt sich in:

„Ich meditiere mehr als andere.“
„Ich bin weiter.“
„Ich habe verstanden.“

Krishna sagt: „Er ist nicht falsch. Aber er bindet.“ Denn hinter ihm steht Verlangen. Und solange Verlangen treibt, bleibt der Mensch unruhig.

5. Tamassiger Glaube träge oder schädlich

Krishna wird ernster: „Wer unter dem Einfluss von Tamas lebt, folgt Aberglauben, Angst oder Zerstörung.“ Dieser Glaube ist nicht suchend. Er ist gefangen.

Er verehrt das Dunkle, nicht immer bewusst aber in seiner Wirkung. Er zeigt sich in:

• blinder Nachfolge
• Angst vor Strafe
• Ritualen ohne Verständnis

Oder sogar in Handlungen, die sich selbst oder anderen schaden.

Solcher Glaube ist:

• blind
• zwanghaft
• oft gegen Leben und Wahrheit gerichtet

Arjuna fragt leise: „Ist dieser Mensch verloren?“ Krishna antwortet ruhig:

„Nein. Aber er sieht nicht.“ Und genau das ist der Punkt.

Nicht Bosheit.
Sondern Unklarheit.

6. Selbst das Essen trägt die Gunas

Krishna geht noch tiefer. Er zeigt: Der Glaube ist nicht isoliert. Er durchzieht das ganze Leben. Sogar das Essen.

• Sattviges Essen: klar, frisch, nahrhaft, friedvoll
• Rajassiges Essen: scharf, salzig, heiß, reizend
• Tamassiges Essen: alt, vergoren, verdorben, belastend

Arjuna wirkt überrascht. „Hat das wirklich Einfluss?“ Krishna antwortet: „Alles, was du aufnimmst, wirkt auf dich.“

Nicht nur Nahrung.
Auch Eindrücke.
Gedanken.
Umfeld.

Ein klarer Geist entsteht nicht zufällig. Er wird genährt.

Nicht durch Verzicht.
Sondern durch Bewusstsein.

7. Rituale, Entsagung und Spenden

Krishna zeigt: Selbst Spiritualität ist nicht automatisch rein. Auch hier wirken die Gunas.

Opferhandlungen (Rituale)

• Sattva: ohne Ego, mit Hingabe, regelmäßig
• Rajas: aus Stolz oder Erwartung
• Tamas: mechanisch, verwirrend, ohne Sinn

Entsagung (Tapas)

• Sattva: als Disziplin aus Liebe
• Rajas: zur Selbstdarstellung
• Tamas: selbstzerstörerisch

Spenden (Dana)

• Sattva: aus Mitgefühl, ohne zu erwarten
• Rajas: um gesehen zu werden
• Tamas: zur falschen Zeit, an falschem Ort

Arjuna erkennt: „Also zählt nicht, was ich tue sondern warum?“ Krishna antwortet: „Genau.“

Die gleiche Handlung
kann dich befreien
oder binden.

8. Die Macht der Worte OM TAT SAT

Krishna spricht nun von etwas Tieferem: „Es gibt drei ursprüngliche Klänge.“

• OM das Urschallen des Seins
• TAT „das“, das Göttliche jenseits aller Formen
• SAT Wahrheit, Wirklichkeit, Echtheit

Diese Worte sind keine Symbole. Sie sind Ausrichtung. Krishna sagt:

„Wenn deine Handlung mit diesem Bewusstsein geschieht,
ist sie verbunden mit dem Höchsten.“

Arjuna fragt: „Und wenn nicht?“ Krishna antwortet klar: „Dann bleibt sie leer.“

Handlungen ohne Bewusstsein, ohne Verbindung, ohne innere Wahrheit, tragen keine Tiefe.

Sie wirken vielleicht im Außen.
Aber nicht im Inneren.

.

9. Die Qualität deines Glaubens

Krishna bringt alles zusammen: „Jeder Mensch glaubt.“ Die Frage ist nicht ob. Sondern wie. Dein Glaube zeigt sich nicht in Worten. Sondern in deinem Leben.

In deinen Entscheidungen.
In deiner Haltung.
In deiner Reaktion.

Arjuna wird still. Er erkennt: Glaube ist nichts Abstraktes. Er ist gelebte Realität. Krishna sagt:

„Wenn dein Glaube klar ist,
wird dein Leben klar.“

Wenn er verwirrt ist, wird dein Weg unruhig.

Und genau deshalb ist es so entscheidend, hinzuschauen.

Abschluss & Ausblick

Kapitel 17 zeigt etwas sehr Direktes: Nicht jeder Glaube führt zur Freiheit.

Und nicht jede Spiritualität bringt dich näher zu dir.

Es kommt nicht darauf an, woran du glaubst. Sondern wie.

  • Ob dein Glaube dich öffnet oder enger macht.
  • Ob er dich verbindet oder trennt.
  • Ob er dich ruhig macht oder antreibt.

Krishna lädt dich nicht ein, etwas zu übernehmen. Er lädt dich ein, zu prüfen.

Still.
Ehrlich.
Ohne Angst.

Und genau dort beginnt echte Spiritualität: Nicht im Außen.
Sondern in der Qualität deines Inneren.

Und im Kapitel 18 geht es noch tiefer.

Nicht mehr nur darum, wie du glaubst sondern wie du handelst.

Denn am Ende zeigt sich alles nicht in Gedanken sondern im Leben.

© Yogaleela – Alle Inhalte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Texte basieren auf dem Buch „Die Bhagavad Gita – Einfach und Klar“ von Swami Kalki Kala. Verwendung nur mit ausdrücklicher Genehmigung.